Es gibt noch einige künstlerische Überbleibsel von der Erlebnisausstellung 2009 in der Jugendkirche effata!. Im September haben wir im Kirchenraum die Zehn Gebote thematisiert: erlebnispädagogisch, ästhetisch, konfrontativ. Das zehnte Gebote „Nicht wirst du begehren deines Nächsten Hab und Gut“ war eine Installation im Windfang des Seiteneingangs im südlichen Seitenschiff: Eine zylindrisches Glasterrarium mit Dollarscheinen und lebendigen Heuschrecken vor einem Großbildschirm, auf dem die aktuellen Kurse der Frankfurter Börse flimmerten. Ziel war es, die Jugendlichen mit einer zugegeben populären bis populistischen Metapher zu konfrontieren, um auf diese Weise eine Auseinandersetzung über Besitz, Verantwortung, wirtschaftliche Verflechtung und Vernetzung und die eigene Betroffenheit und Verwobenheit damit in Verbindung zu bringen. Die von Franz Müntefering geprägte Metapher war dabei – obwohl schon zeitlich etwas älter – vielen Schülern ein Begriff.

Wir haben die Heuschrecken während der Ausstellung mit Chinakohl und Salat gefüttert und konnten kaum glauben, dass sie sich auch über die Dollarnoten hermachten. Je wärmer es durch die Lüftung des Monitors im Windfang wurde, desto verfressener wurden die Heuschrecken.

Die Dollarscheine existieren noch. Nummeriert sind sie ohnehin, signiert sind sie mittlerweile auch. Sie stehen zum Verkauf. Als „Kunst“. Andy Warhol, Joseph Beuys und Franz Müntefering lassen grüßen. Je nach Grad des Befraßes und Besch* (auch das konnten wir nicht verhindern) zu unterschiedlichen Preisen. Der zehnte Teil des Erlöses (Kirchenzehnt) geht an das Projekt „Feindliche Übernahme von BP“ des münsteraner Aktionskünstlers Ruppe Koselleck, der im übrigen auch Dollarscheine verkunstet hat. Allerdings nicht mit Hilfe vonHeuschrecken, sondern als „Ölbilder“. Der Haupterlös (90%) geht an die BDKJ Jugendstiftung „Weitblick“ e.V. im Bistums Münster.

Nr 1 der Serie bleibt in meinen Besitz

79121492K (schwach befressen am oberen Rand) EUR 50,00

79121493K (starke Fraßspuren am oberen Rand): EUR 70,00

79121495K (sehr starke Fraßspuren am unteren Rand, Verunreinigung oben links) EUR 70,00

79121496K (mäßige Fraßspuren am unteren Rand und am rechten Rand, Verunreinigung am Portrait, zwei Durchschnitte für die Installation): EUR 50,00

79121497K (leichte Fraßspuren oben rechts, Verunreinigung rechts vom Portrait) EUR 50,00

79121498K (mäßige Fraßsspuren am unteren Rand, zwei Durchschnitte für die Installation): EUR 50,00

79121499K (leicht befressen unten rechts; die Ecke oben rechts ist komplett abgefressen, Verunreinigungen auf der Rückseite): EUR 70,00

79121500K (leichte Fraßspuren am unteren Rand, innen leicht eingerissen f. Installation; ABER: der Milleniumsdollar **500K): EUR 70,00

Seriennummer **4K ist verschollen – nirgends auffindbar. Vielleicht ganz aufgefressen?!

Kaufanfragen an: Marius Stelzer, Jugendkirche Münster

Alle Preise zzgl. Versand (ausschließlich versichert), incl. Zertifikat; Auf Wunsch (gegen Aufpreis) Rahmung möglich. Aufgrund des Spendenzwecks ist ein späterer Rücktritt vom Kaufvertrag nicht möglich. Es gilt das Heuschrecken-Prinzip: Wer zuerst kommt, frisst zuerst. Und: es wird vertraglich als Klausel zugesichert, dass bei jedem Weiterverkauf des jeweiligen Kunstwerks verbindlich immer 50% des Verkaufserlöses der BDKJ-Jugendstiftung „weitblick“ zufließt. Ohne Vertrag keine Dollarscheine!

Die Heuschrecken waren Lebendfutter vom Lebendfutterfachhändler unseres Vertrauens. Sie wurden nach der Ausstellung wohlgenährt an der Neubrückenpromenade in die Freiheit entlassen und so dem biologischen Kreislauf wieder zugefügt. Die Dollarnoten sind durch die artifiziell zugefügten Anomalien jetzt dem Geldkreislauf entzogen und dem Kunstmarkt zugefügt.

Alle Bilder (c) VG Bild-Kunst / Marius Stelzer

Als Relikt der Erlebnisausstellung blieben die Strahlen als Raumintervention noch eine Weile im Kirchenraum installiert. Die „Landebahn Gottes“ – Ankunft, Verdichtung, Komprimierung, siebenfache Schallgeschwindigkeit. Höhepunkt, Quelle, Kraft. Jes 35,8

Bei Tag:

und bei Nacht:

und nochmal in groß:

Alle Fotografien (c) VG Bild-Kunst / Marius Stelzer

,

Cross, 20×20, ultramarin

(c) VG Bild-Kunst / Marius Stelzer

Seit längerer Zeit entsteht eine Bildserie, die mit Mitteln der Enkaustik (Einbrennen von Wachspigmenten) als Mittel der „Abbildung“ – wie antike Ikonen als Abbilder der Menschen – entstehen. Bildmotive sind wissenschaftliche Grafiken von sozialen Milieus, die mit Mitteln der Kunst verfremdet und auf entsprechende Weise „abgebildet“ werden. Ob es eine wissenschaftliche Grafik zur Veranschaulichung eine statistisch messbaren Sachverhaltes ist oder ob es ein Bild ist – das bleibt offen.

Öl und Einkaustik auf Leinwand, 130×80

Als Material findet besonderes Wachs Verwendung: Parrafin und Bienenwachs von kirchlichen Osterkerzen, die in sich in liturgischer Verwendung befanden. Damit ist dieses Material beseelt; zum einen, weil die Kerze an sich Segen und Weihe erfahren hat, zum anderen weil im gottesdienstlichen Zusammenhang Menschen unterschiedlichster Milieus Segen und Weihe erfahren haben.

Das flüssige Wachs wird angereichtert mit Ölfarbe bzw. Pigmenten. Der Farauftrag erstarrt sofort, ist übermalbar, tropft und fließt, ist mit warmer Luft verformbar, kann wieder flüssig gemacht werden, lässt untere Farbschichten zum Vorschein kommen etc.

Öl und Enkaustik auf Leinwand, 60×80 cm

Enkaustik auf Leinwand / Holz 60×80

Einkaustik auf Leinwand, 160×90 (oder so)

alle Bilder (c) VG Bild-Kunst / Marius Stelzer

So steht’s auf den Spraydosen der Firma Molotow – Marktführer in der Sprayerszene. Gesagt – getan: Es entsteht zur Zeit eine Bildserie, in der die Dosen (leere Molotow-Cans, geliefert von Graffiti-Künstlern meines Vertrauens) zunächst vandalisiert werden (also zetreten, zertrümmert, geplättet) und dann zufällig auf 90×90 cm Holztafeln aufgeschraubt werden. Robert Rauschenberg lässt grüßen. Gnadenlos, wie es kommt, überlappend, einzen, dicht, doppelt, offensichtlich. Dann der Farbüberzug – feinste und reine Farbpigmente kommen zum Einsatz: ultramarinblau (inspiriert von Yves Klein), cadmiumrot. Cadmiumgelb kommt demächst, es folgen weiß, grün, violett und schwarz). Das ganze wird dann mit Klarlack übersprayt. Hauchdünn und glänzend.

Die Generierung der Farben aufgrund der Pigment-Nummer ist übrigens ein Kunst-Prozess für sich: Die Nachfrage nach äquivalenten Farbbezeichnungen bei der Firma Molotow (die haben nämlich eher skurrile Farbnamen – und nicht immer pigmentreine Farbmischungen) hat das ganze Labor dort ins Rotieren gebracht, damit sie eine passende Auskunft geben konnten. Pigment-Name und RAL-Code waren vorhanden, aber was ist RAL 3000 wohl in der Namensgebung von Molotow?

Die fotografischen Ergebnisse fallen eher schmal aus – offenbar überfordern die krachenden Farben (die bei Tageslicht sogar die eigenen Augen ins Schwirren bringen) die Farbkapazitäten von Digitalkameras.

Fotos: Use Can For Art, Not For Vandalism (cadmiumrot, 90×90, ultramarinblau, 90×90; (c) VG Bild-Kunst)

Als Corporate Identity, als „Icon“ für die Erlebnisausstellung sollte eine völlig abstrahierte Fassung des Antlitz Jesu vom Turiner Grabtuch Verwendung finden. Es gibt eine grob- und eine feinpixelige Version. Letztere wurde auf den Plakaten und innerhalb der Ausstellung realisiert. Das Quadratmotiv fand sich innerhalb der Ausstellung wieder in Form der Leuchtcuben (von www.moree.de), die die einzelnen Ausstellungs-Ebenen kennzeichneten. Quadrat und Kreis als geometrische Grundformen waren gewissermaßen das ästhetische Grundprinzip der Ausstellung.

Und das Original:

Bild 1 und 2: (c) Marius Stelzer (VG Bild-Kunst)

Sellos alemanes

on Domingo, 21 Noviembre 2010.

La practicidad del diseño alemán

Marius Stelzer me ha enviado una serie de sellos diseñados por él mismo de diferentes iglesias e instituciones de la ciudad de Münster. La particularidad, y lo que los hace únicos, es el diseño en sí mismo.
Puramente funcional, sin ningún tipo de elemento decorativo. Tan sólo los datos de referencia del sello: nombre del Camino, lugar y una frase a modo de deseo espiritual. Podrán gustar más o menos, pero originales sí son.
Sellos alemanes

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Im Jahr 1999 realisierte das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude das Projekt „The Wall“ im Gasometer Oberhausen. Eine Fässerwand aus 13000 Ölfässern, die dem normalen Nutzungskreislauf entzogen wurden und – nach einer Umlackierung – in diesem temporären Kunstprojekt verwendet wurden. Im Rahmen einer Performance zum „Heiligen Geist“ in der Jugendkirche effata! in Münster kam die Idee auf, ebenfalls mit Ölfässern zu arbeiten.

Entwurf (c) Marius Stelzer 2008/ VG Bild-Kunst

Es ging zum einen darum, Öltonnen, Oildrums, als Klang- und Schlaginstrumente zu nutzen, um auf diese Weise dem Heiligen Geist als klangliches Phänomen auf die Spur zu kommen. Den Rest des Beitrags lesen »

Ein zeitgenössisch-praktischer Beitrag zur mesopotamisch-assyrischen Kulttopografie

Im Frühjahr 2007 wurde im Kardinal-von-Galen-Gymnasium der Meditationsraum umfassend renoviert. Sowohl die Architektur als auch die Inneneinrichtung sind bewusst schlicht gestaltet – formal reduziert. Raum und Ausstattung sollen „funktionieren“, d.h. die Elemente sollen Raum schaffen, um den Schülerinnen und Schülern (und allen anderen natürlich auch) im weitesten Sinne spirituelle bzw. religiöse Erfahrungen zu ermöglichen. In diesem Bericht sind die einzelnen Elmenete aufgeführt und werden in ihrer Gestaltung, ihrem Design erläutert.

Im Anfang war der Hocker

Die 35 Hocker aus Buche-Multiplexplatten sind der Anfang der Gestaltung. Sie wurden vor einigen Jahren schon angeschafft und ersetzten damals die alten Schaumstoffwürfel. Hier fängt Funktionalität und formale Reduktion an. Den Rest des Beitrags lesen »

Ein positives Bild von „Kirche“ vermitteln – einen Zugang zu Grundelementen christlicher Sprititualität und Liturgie ermöglichen: Im Pfadfinderlager ist dieses Vorhaben eine große Herausforderung. Und diese Herausforderung ist vor Überraschungen nicht geschützt. Schließlich findet alles „open air“ statt. Und man hat mit Kindern, Jugendlichen und jungen (und älteren) Erwachsenen im Alter von 8-68 Jahren zu tun.

IHR SEID DAS SALZ DER ERDE – IHR SEID DAS LICHT DER WELT (Mt. 5) waren die Leitworte der liturgischen Feiern Den Rest des Beitrags lesen »

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